Auswechseln von Bodenblechen am Käfer ohne Demontieren der Käferkarosserie von der Bodengruppe
Grundsätzlich ist es möglich, die großen Bodenbleche (links und rechts) auch ohne Demontage der Karosserie auszuwechseln. Man kann dazu die Karosserie auf der Seite, an der man arbeiten will, komplett vom Boden losschrauben und das alte Bodenblech in einem Abstand von ca. 2 cm vom Rahmentunnel mit einem großen Trennschleifer heraustrennen. Dabei darf aber die hintere Querverstrebung des alten Bleches (vor dem Hinterachstragrohr) nicht mit abgetrennt werden, da sie meist nicht zum Lieferumfang des Neuteils gehört. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass die untere Abdeckung des Rahmentunnels und eine ausreichende Auflagefläche am vorderen Rahmenkopfquerträger nicht angeschnitten werden. Das neue, schweißfertig vorbereitete Bodenblech (im Schweißbereich vom Lack befreit und mit Lochpunktreihen vorbereitet) schiebt man von unten  ü b e r  die am Rahmentunnel verbleibende Kante des alten Bodenbleches, so dass das neue Blech gut aufliegt. Im Bereich des vorderen Rahmenkopfquerträgers muss man vorher das Blech im großen Bogen etwas nach innen runden, da es sonst ja nicht hindurch passen würde. Die Rundung biegt man nach dem Durchstecken einfach wieder zurück.

Beachte: Alle zu verschweißenden Flächen müssen metallisch blank und sauber sein, sonst halten evtl. nicht alle Schweißpunkte, was später zu Knackgeräuschen beim Fahren führt! Das neue Blech ist ausreichend zu fixieren und im Lochpunktverfahren von der Oberseite entlang des Tunnels, zudem an der Auflage des vorderen Rahmenkopfquerträgers und an der verbliebenen Querverstrebung  f a c h g e r e c h t  zu verschweißen. Vor dem Verschweißen ist unbedingt die korrekte Ausrichtung für die Schraublöcher im Schweller zu prüfen. Erst zum Schluss wird abschnittsweise die neue Bodendichtung zwischen Karosserie und Bodenblech eingeschoben. Dafür kann man mittels Holzkeilen einen ausreichenden Montagespalt  herstellen.

Die gesamte zuvor beschriebene Arbeitsweise ist aber für die meisten Anwendungsfälle nicht als 100%ig fachgerecht zu qualifizieren! In der Regel ist ja nicht nur ein Stück Bodenblech marode, sondern es liegen fast immer auch Rostschäden im Seitenschwellerbereich vor, die sich bei den Arbeiten erst richtig zeigen und für zusätzlichen Ärger sorgen! Zudem lässt sich die neue Bodendichtung meist nicht einwandfrei dazwischen schieben, so dass winzige Wasser ziehende Lücken bleiben. Schon beim Herausdrehen der unteren Schraubenreihe der Bodengruppe ergibt sich oft das Problem, dass die Schrauben in den eingeschweißten Muttern am Schweller total festgerostet sind. Sie reißen dann im harmloseren Fall ab, komplizierter wird es aber, wenn eine Einschweißmutter ganz aus dem Schweller heraus bricht.

Neue Bodenbleche gibt es von verschiedenen Zubehör-Lieferanten - natürlich in diffiziler Qualität. Die beste, aber auch teuerste Materialalternative stellen originale Bodenbleche von VW dar, da sie kaum ein Nacharbeiten von Hand zum Erreichen einer einwandfreien Passform benötigen. Da jedes Nacharbeiten recht zeitintensiv ist, sollte man dies vor dem Kauf einer Billigalternative bedenken! Daneben gibt es auch Reparaturbleche für die Unterseite des Rahmenkopfes (sowohl 1200 als auch 1302/03). Deren Einbau ist aber eine Arbeit für einen Karosserie-Fachbetrieb, weil sie eine besonders wichtige Stabilitätsfunktion haben! Es gibt sogar die Möglichkeit, komplette Rahmenköpfe auszuwechsel, wobei für die Montage eine Rahmenlehre benötigt wird! Nichts für Hobbyschrauber also!

Grundsätzlich ist zwischen 2 Bodenblech-Ausführungen zu unterscheiden: Bodenbleche bis Juli 1972 haben integrierte, aufgesetzte Sitzschienen und Bleche ab August 1972 haben eine Dreibein-Sitzaufnahme und verstärkte u-förmige Sitzschienen. Das Dreibein-Aufnahmegestell des Sitzes gehört nicht zum Lieferumfang, kann aber ggf. extra bestellt, zumeist aber auch vom Altteil übernommen werden (Schweißpunkte ausbohren!). Die Ausformung der hinteren Schienenaufnahmen ist zwischen beiden Bodenblechversionen stark abweichend, so dass "Mischformen" nicht in Betracht kommen! Ergänzende Info: Die Sitzschienen der Modelle von August 1970 bis Juli 1972 weichen von denen der Modelle bis Juli 1970 ab, obwohl sie das gleiche Grund-Bodenblech haben. Sie müssen ggf. vom alten Blech demontiert und auf das Neuteil übernommen werden. Noch eine Info: Fahrzeuge des Typs 14 (Karmann-Ghia, Fridolin) haben breitere Bodenbleche als der Käfer. Beim Käfer-Cabrio sind die Bodenbleche mit denen der jeweiligen Limousine identisch, lediglich die Aufnahmen für die Wagenheberstützen müssen entfernt werden.

Als Alternative werden im Handel auch Bodenblech-Reparaturabschnitte angeboten: z.B. vorderes oder hinteres "Viertel" rechts und links oder auch nur Schraubkantenabschnitte, bzw. Batterieboden, und ähnliches.

Der Einbau von Schraubkantenabschnitten ist zwar aus Materialsicht recht preisgünstig, kommt aber nur in Frage, wenn das restliche Bodenblech nahezu fehlerfrei erhalten ist. Zudem ist der Einbau der Schraubkantenabschnitte äußerst zeitintensiv, weil die Feinanpassung der neuen Bleche an das vorhandene Altblech sehr viel Nacharbeit erfordert. Auch muss auf ein ordentliches Abdichten der Überlappungsbereiche geachtet werden, da sonst schnell wieder Korrosion auftritt.

Arbeitsplan zum Demontieren der Käferkarosserie von der Bodengruppe
Zuerst entfernt man sämtliche Sitze, die Batterie, die Fersenbretter und alle Innenteppiche aus dem Wagen. Die gesamte Karosserie ist danach komplett loszuschrauben: alle Bodenblechschrauben (SW 13/8mm) auf der Bodenunterseite (unterhalb der "Trittbretter" übrigens: deren korrekte VW-Bezeichnung ist Einstiegsverkleidung), vier gleichartige Schrauben innen unter der hinteren Sitzbank, je 2 Schrauben links und rechts (SW 17/10 mm) auf der Unterseite des vorderen Rahmenkopfquerträgers (in Höhe der A-Säulen), die zwei Schrauben links und rechts innen unter der hinteren Sitzbank (SW 17/10 mm - beachte: Cabrio hat hier auf jeder Wagenseite 2 Schrauben) und die Karosseriehalter in den hinteren Radkästen (links und rechts je 1 Schraube SW 17/10 mm). Die Modelle VW 1302 und 1303 haben zudem im Innenraum auf dem Rahmentunnel im Bereich des Fußhebelwerks einen zusätzlichen Karosseriehalter zur Stabilisation, der abgeschraubt werden muss. Alle Modelle ab Modelljahr 1976 haben zwischen Getriebegabel und Kofferboden zusätzliche Haltestreben zur Verstärkung der hinteren Gurthalter. Diese Haltestreben sind auch abzuschrauben.

Als nächstes werden alle Kabel des von der Karosserie zum Motor führenden Kabelstranges am Motor gelöst. Alle Anschlusskabel am Bremslichtschalter werden abgenommen. Bei Fahrzeugen mit 2 Bremslichtschaltern ist es gleichgültig, welches Kabel später zu welchem Schalter führt. Am Hauptbremszylinder werden die Nachlaufleitungen abgezogen. Die auslaufenden Bremsflüssigkeit kann mit einer Ölwanne, o. ä. aufgefangen werden. Die Anschlüsse am Hauptbremszylinder sind gegen Verschmutzung mit Stopfen zu verschließen! Bremsflüssigkeit ist sehr giftig und umweltschädlich und muss ordnungsgemäß entsorgt werden. Eine Wiederverwendung ist auch für Geizkrägen nicht möglich!

Danach wird der Tank ausgebaut und die beiden Schrauben (SW 17/10 mm) auf der Oberseite des Achskörpers werden herausgedreht (Modelle mit kurzem Vorderwagen). Dann ist bei Modellen mit kurzem Vorderwagen die Lenksäule oberhalb der Hardyscheibe zu lösen (1 Klemmschraube) und nach oben aus der Muffe zu ziehen. Dies muss sehr vorsichtig erfolgen, damit es nicht zu einer Beschädigung der Blinkerschalterkombination an der Lenksäule kommt. Wer hier sichergehen will, baut vorher Lenkrad, Zündschloss und Schalterkombination aus!

Bei Fahrzeugen mit langem Vorderwagen sind die Befestigungsschrauben unterhalb des Rahmenkopf-Vorderteils herauszudrehen. Ferner sind beide Spurstangen vom Lenkgetriebe zu lösen. Die Lenksäule braucht hingegen nicht gelöst zu werden. Das Fahrzeug ist unter dem Rahmenkopf abzustützen (Holzblöcke, o. ä.); die vorderen Räder müssen abmontiert werden. Die kompletten vorderen Federbeine sind dann abzuschrauben (am unteren Querlenker und die jeweils drei Schrauben oben im vorderen Kofferraum links und rechts. Ferner sollte der vordere Stabilisator abgebaut werden.  Im Gegensatz zu den Fahrzeugen mit kurzem Vorderwagen kann beim 1302 und 1303 die Bodengruppe nicht mit den Teilen der Vorderachse verbunden bleiben (z. B. um das Fahrgestell bequem während der Arbeiten verschieben zu können). Es handelt sich nämlich bereits um eine teilweise selbsttragende Karosserie, die im Vorderwagen baulich kein Fahrgestell im herkömmlichen Sinne mehr darstellt.

Zur Erleichterung des Abhebens empfiehlt es sich zudem, die Türen auszubauen, da sie relativ schwer sind und bei den folgenden Blecharbeiten eher störend wirken. Hierzu benötigt man eine kurze Verlängerung mit einer Kreuzschlitz-Nuss passender Größe. Die Nuss steckt man mit der Verlängerung auf die Kreuzschlitzschrauben der Türscharniere und gibt einen gezielten Hammerschlag darauf. Danach lassen sich die Schrauben mit der Ratsche meist problemlos herausdrehen. Vor dem Abschrauben bitte die exakte Einstellung der Scharniere in den Aufnahmen kennzeichnen; dies erleichtert später den Zusammenbau! Beim Cabrio ist es ratsam, das Verdeck als komplette Einheit abzuschrauben (4 Schrauben in Höhe der C-Säulen und 1
Zugseil), damit es nicht beschädigt wird.

Danach durch vorsichtiges Ruckeln an den Stoßstangen die Karosserie vom Boden lösen (ggf. mit Holzkeil und kleinem Hammer vorsichtig entlang der Bodendichtung nachhelfen). Die Karosserie kann man anschließend, wenn man sie z. B. aus Platzgründen nicht ganz vom Fahrgestell herunternehmen will, an mehreren Stellen (Rahmentunnel vorne und hinten und Bodenseite, an der gerade noch nicht gearbeitet wird (unter A- und B-Säulen) und unter den Aufnahmen an den Federstreben mit dicken Hölzern beliebig hoch "unterlegen" (gut sind mind. 30 cm). So entsteht wesentlich mehr Arbeitsraum für das Wechseln der Bodenbleche, etc. und man kann alles hinterher auch gut versiegeln und eine originale VW-Karosseriedichtung richtig auflegen (Dichtungen aus dem Zubehörhandel taugen meist nicht viel!). Die Unterlagen sollten aber besonders beim instabilen Cabrio sehr gleichmäßig verteilt werden, so dass kein Karosserie-Verzug entsteht (Manche schweißen auch Eisenstangen zwischen A- und B-Säule, was aber nur bei einem Schwellerwechsel sinnvoll ist). Das eigentliche Austauschverfahren für die Bodenbleche bleibt mit dem zuerst beschriebenen gleich!

Sofern die Türen und ggf. auch noch die beiden Hauben vorher abgebaut worden sind, sind 2 kräftige Personen durchaus in der Lage, ohne weitere Hilfe eine Karosserie vom Fahrgestell abzuheben. Wesentlich leichter geht es jedoch, wenn man mit 4 Personen arbeiten kann (an jede Stoßstangenecke einen Helfer). Dies gilt besonders für das exakte Wiederaufsetzen nach getaner Arbeit!

Zur Wiedermontage ist noch folgendes anzumerken: die neue VW-Bodendichtung besteht aus einem vorgetränkten Schaumgummimaterial. Dies kann noch ergänzend mit Hohlraumschutz aus der Sprühflasche getränkt werden, bevor man die Karosserie aufsetzt. Korrosion kann damit wirksam vermindert werden. Es ist übrigens ein Irrglaube, wenn vereinzelt behauptet wird, dass die alten doppellagigen Gummidichtungen (bis Modelljahr 1969) besser als die neuere Schaumgummidichtung abdichten würden. Dies trifft nicht zu. Die alten Dichtungen werden im Laufe weniger Jahre im Randbereich brüchig und lassen dann gerne Spritzwasser nach innen dringen. Auch Hinweise auf mögliche Unterrostungen bei der Schaumgummidichtungen stimmen nur bedingt: solche Unterrostungen treten nur dann verstärkt auf, wenn in diesem Bereich ab Werk kein ausreichender Decklack auf Schweller, bzw. auf der Bodenkante aufgetragen wurde, was bei verschiedenen Baujahren (70er Jahre) leider häufig vorkam. Sind diese Teile hingegen einwandfrei lackiert, kommt es kaum zu Unterrostungen!

Wer seinem VW zusätzlich Gutes tun will, versiegelt die Kantenbereiche zwischen Karosserie und Boden in den Spritzwasserzonen zusätzlich von außen mit einem Silikonstreifen (der jedoch alle paar Jahre erneuert werden sollte!). Zur Verschraubung der Bodenkanten: es sollten unbedingt originale Schwarzschrauben mit spitzem Kopf verwendet werden. Schrauben vor dem Eindrehen gut mit Grafitfett einreiben! Die Spitze am Schraubenkopf ist zum Durchdrücken durch die Karosseriedichtung wichtig. Ggf. hier mit einem spitzen Schraubendreher vorarbeiten. Schrauben aus Edelstahl oder verzinkte Schrauben dürfen nicht verwendet werden, da sie im Umfeld sehr schnell Korrosion auslösen!

Alle Tipps unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung!

Wolfgang Dingeldein

Stand: 27.07.2002